Rhabarber-Erdbeer Marmelade – ganz ohne Gelierzucker

IMG_4766Der Frühling ist da! Wir hatten so herrliches Wetter letzte Woche, da hat es sich teilweise fast nach Sommer angefühlt. Alles blüht, alles wird grün und mein Gesicht war nach zwei Stunden Picknick im Park wirklich leicht gerötet. Heute war der erste Tag der mal wieder ein bisschen mau und grau war, also habe ich mir den Frühling kurzerhand ins Haus geholt. Und zwar in Form von Rhabarber und Erdbeeren.

Wenn der Rhabarber sprießt ist das für mich immer ein Zeichen, dass der Winter wirklich vorbei ist. Der erste Vorbote des Frühlings der die Saison einläutet und bedeutet, dass wir bald mit Erdbeeren, Himbeeren, Pfirsichen und all den anderen Leckereien des Sommers verwöhnt werden. Ich hatte mir schon vorgenommen dieses Wochenende irgendetwas mit Rhabarber zu machen, wusste aber nicht genau was. Die Idee zu Marmelade kam mir spontan und da Rhabarber allein doch ein bisschen bitter sein kann habe ich noch Erdbeeren hinzugefügt, um das Ganze ein bisschen süßer zu machen.

IMG_4699An sich ist Marmelade kochen wirklich super einfach. Alles was man braucht ist die gleiche Menge Obst und Zucker und ein bisschen Geduld. Meine Experimente Marmelade zu kochen waren trotzdem sehr…speziell sag ich mal. Früher ging es mit der Familie jeden Sommer zum Zelten nach Schweden und da sich das immer mit dem Geburtstag von Mutti überschnitt kamen wir irgendwann auf die glorreiche Idee, aus den Blaubeeren die dort überall wuchsen Geburtstagsmarmelade zu machen. Dumm nur, dass wir alle keine Ahnung hatten wie man Marmelade kocht und die Anleitungen auf dem Gelierzucker auf Schwedisch waren. Mit Englisch wären wir ja noch hingekommen aber so artete das ganze zu einem unfreiwillig langem Kochabend auf dem Campingplatz aus. Ich glaube es wurde dann doch etwas, was man entfernt als Marmelade bezeichnen könnte. Diese Tradition hat sich dann jedes Jahr wiederholt, allerdings ohne dass man sich bevor es in den Urlaub ging mal näher damit befasst hätte wie man denn jetzt wirklich Marmelade kocht. Wir wussten also nie was passiert, einmal hatten wir knallhartes Gelee, das andere Mal flüssige Blaubeersuppe und ein paar mal etwas das man von der Konsistenz durchaus als Marmelade bezeichnen könnte.

IMG_4683Nun gut, inzwischen habe ich mich ein bisschen weitergebildet und werde euch hier also mit meinen gesammelten Weisheiten des Marmeladekochens beglücken. Was man sich merken sollte ist, dass das Verhältnis Zucker:Obst immer 1 zu 1 betragen sollte. Wenn man 1 Kilo Erdbeeren hat braucht man demnach 1 Kilo Zucker. Easy peasy. Wenn man Gelierzucker nimmt, dann war´s das auch schon mit den wichtigen Vorbereitungen. Dieses Rezept habe ich aber mit normalen Zucker eingekocht, ganz wie zu Omas Zeiten. Das geht genauso gut, man muss nur ein paar Dinge beachten. Dass man normalerweise Gelierzucker zum Marmelade kochen nimmt liegt daran, dass so die Marmelade besser „geliert“, also fester wird, weil in dem Gelierzucker schon Pektin oder Zitronensäure enthalten ist. Der Pektingehalt der Früchte ist das wichtigste zum Gelingen der Marmelade, je höher der Pektingehalt ist, desto weniger Geliermittel braucht man. Allerdings haben nicht alle Früchte den gleichen Pektingehalt. Am wenigsten Pektin ist in Bananen, Erdbeeren, Holunderbeeren, Kirschen, Mangos und Rhabarber enthalten. Am meisten Pektin enthalten Zitrusfrüchte, Äpfel, Quitten, Johannisbeeren oder Stachelbeeren. Bei diesen Früchten ist es leicht, sie mit normalen Zucker einzukochen, sie gelieren dann von alleine. Früchte mit mittlerem Pektingehalt sind Aprikosen, Pflaumen, Mirabellen, Pfirsiche, Nektarinen, Brombeeren und Himbeeren. Und alle Früchte haben am meisten Pektin kurz bevor sie ganz reif sind.

Wenn man jetzt so wie ich zwei Obstsorten mit wenig Pektingehalt nimmt muss man ein bisschen darauf achten, Früchte mit viel Pektin hinzuzufügen, ansonsten kann das Einkochen eine sehr lange Sache werden. Glücklicherweise geht dies ganz einfach in dem man Zitronensaft und geriebenen Apfel hinzufügt. Man kann auch darauf achten zwei Obstsorten mit unterschiedlichem Pektingehalt zu kombinieren und dann auf Zitronensaft oder Apfel verzichten.

Dadurch dass man sich nur auf den Pektingehalt der Früchte verlässt dauert das einkochen ein bisschen länger. Um sich sicher zu sein, dass die Marmelade beim abkühlen auch wirklich fest wird, am besten zwischendurch die Gelierprobe machen. Dazu einen Löffel Marmelade auf einen Teller geben und schräg halten. Wenn sie verläuft, dann sollte sie noch weiter kochen. Man kann aber normalerweise ganz gut erkennen, ob die Masse fester wird oder nicht. Nach meinen Erfahrungen wird die Marmelade ohne Gelierzucker nicht so fest wie mit. Das liegt wahrscheinlich auch an den Obstsorten die ich verwendet habe, stört mich aber überhaupt nicht. Ich mag das, wenn sie noch ein wenig flüssig und gut verstreichbar ist. Zur Not einfach länger einkochen lassen, dann müsste sie auch fester werden.

Für ca. 6 Einweckgläser:

500 g Erdbeeren

1 Kg Rhabarber

2 Zitronen

1 Apfel

1,5 Kg Zucker

1) Die Gläser vor dem Einkochen gut sauber machen. Erdbeeren waschen und halbieren, den Rhabarber waschen und kleinschneiden. Die Zitronen auspressen, den Apfel schälen und fein reiben.

2) In einem großen Topf das Obst mit dem Zucker vermengen und unter Rühren aufkochen lassen. Die Masse 10 bis 20 Minuten kochen lassen, bis man merkt das sie fester wird. Zur Sicherheit die Gelierprobe machen. Anschließend in die Einweckgläser füllen, gut verschließen und abkühlen lassen.

4 comments

  1. hat eigentlich ganz gut geklappt aber war doch noch etwas sehr flüssig. beim probieren aber ober lecker!!!! ich habe noch zwei päckchen tortenguss genommen zum eindicken war eine super Ergänzung!

    1. Hi Luisa, freut mich das es dir geschmeckt hat. So richtig stichfest wie wenn man Gelierzucker nehmen würde wird die Marmelade auch nicht und manchmal ist die Konsistenz auch unterschiedlich, je nachdem wie das Verhältnis zwischen Zitrone und anderem Obst ist. Aber wenn man einmal den Dreh raus hat funktioniert es ganz gut. Der Tortenguß ist auf jeden Fall eine super Idee, wenn es einem doch zu flüssig ist. Lieben Gruß!

  2. Hej, danke fuer das tolle Rezept. Habe heute 3kg blåbär (Blaubeeren) am See gepflueckt. Selbstverständlich in SCHWEDEN 😉 Nun habe ich zu wenig Gelierzucker gekauft und nach Alternativen gesucht. Also muss jetzt der „normale“ Zucker dran glauben, wenn nicht greife ich auf Luisa’s Idee mit dem Tortenguss zurueck!

    Liebe Gruesse aus dem Norden
    Anni

    1. Hallo anni! Mensch was für ein Zufall, habe letzte Woche erst selber garantiert ekologiske svenska Blaubeeren gepflückt. Viel Spaß beim kochen, ich hoffe alles klappt! ? liebe Grüße! Ineke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *